Diesen Satz höre ich öfter, oder manchmal auch: ” Ich tue dies oder jenes nicht, weil ich sonst Leuten ein Anstoß sein kann”. In meiner christlichen Gesellschaft hat dieses Wort Macht. Macht, die sehr oft missbraucht wird, um eigene Ideale durchzusetzen und Leute unter Druck zu setzen und zu gewissen Handlungen zu leiten. Sehr gerne wird dieser Ausdruck von älteren, authoritären, Personen genutzt, da wären z.B. Älteste / Pastoren, Personen aus einem gewissen “Bruderrat”, oder andere Personen, die sich für sehr wichtig halten. Zusammengefasst kann man sagen: der Anstoßausdruck ist ein wunderbares Werkzeug, um Menschen aus der christlichen Szene in Schach zu halten.
Witziger weise, kennen wenige wirklich den Begriff Antstoß und vor allen Dingen, was die Bibel damit wirklich meint. Und ich kann 100% sagen, dass Leute die diesen Ausdruck gerne und oft benutzen, ihn missbrauchen. Daraus folgt, dass Menschen, die ihn missbrauchen, mehr Scheiße bauen, als die, denen sie es vorwerfen. Ich sage extra Scheiße, weil mich das empört, mit welcher Dreistigkeit mit diesem Wort/Ausdruck um sich geschmissen wird.
Mit Anstoß / Ärgerniss wird gemeint, wenn ein Schwacher im Glauben etwas sieht oder mitbekommt und dies sein Glaubensfundament zum Wanken, oder sogar zu Fall bringt. Unter Schwachen im Glauben meinen wir Menschen, die vor kurzem zum christlichen Glauben konvertiert sind – auch Menschen die vorher an NICHTS geglaubt haben. Das Thema “Schwache im Glauben” behandelt Paulus in Römer 14 sehr detalliert. Kernpunkt dieses Kapitels ist die gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz gegenüber A
anders denkenden.
Was passiert also, wenn mich ein weiser Mann, der in meiner Gemeinde viel zu sagen hat, zu mir kommt und sagt: “Eduard, du höeeeerrrrrsssst Rouuuckmuuuusik hat mir eine Schwester verzählt, dies ist mir ein Anstouß”. (Es kann alles sein: Klamotten, Musik usw.) Da frage ich freundlich: “Bruder, wie lange sind Sie im Glauben?” Und es stellt sich heraus, dass er schon 50 Jahre lang Bibel nach China schmuggelt, 80 Jahre Traktate / Broschüren verteilt und 150 Jahre schon im Bruderrat sitzt, um in der Gemeinde das geistliche Niveau aufrecht zu erhalten. Dem kann ich dann sagen: “Ich bin Ihnen kein Anstoß, es geht Ihnen nur derbe durch den Strich!” Dann verweise ich auf Römer 14 und in erster Linie auf den 22 Vers:
Behandle deine Überzeugung als eine Sache zwischen dir und Gott! Wohl dem, der sich in seiner Überzeugung nicht anklagen muss!
Wenn jemand so etwas zu mir sagen würde, der vor kurzem zum Glauben gekommen ist, wäre das eine andere Sache. Es wäre auch eine anderes Sache, wenn ich die Rockmusik, oder was auch immer, extra und provozierend in aller Öffentlichkeit praktizieren würde. In solch einem Fall, würde ich diese Zurechtweisung ernst nehmen, aber auch nur in solch einem Fall.
Jedes Thema hat immer zwei Seiten. Denn wo Gott uns Rechte gibt, da gibt er uns auch Pflichten. Es ist wichtig, dieses Thema ernst zu nehmen und sehr sensibel für das Problem des Anderen zu sein. Rücksicht ist hier das Stichwort. Rücksicht und Toleranz dem gegenüber man vorwirft, etwas falsch zu machenen. Genauso wird auch Rücksicht und Toleranz von dem verlangt, der es Anderen vorwirft. Am Ende bleibt zu sagen:
Wer einen bestimmten Tag bevorzugt, tut das zur Ehre des Herrn. Genauso ist es bei dem, der alles isst. Er tut es zur Ehre des Herrn, denn er dankt Gott dafür. Und auch der, der nicht alles isst, tut das zur Ehre des Herrn und sagt Gott Dank.
Also höre ich meine Musik zu Ehren Gottes und deine, Bruder.
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